Noch lässt sich die traditionelle Werbung nicht zu Grabe tragen
- Veröffentlicht am Montag, 07. Januar 2013 10:35 In der Kategorie: Market news
Internet fördert täglich neue Werbeformate zutage. Interaktionen, Engagement und Auswahl sind Schlüsselwörter des modernen Marketings.
In der Tat ändert sich hierdurch die Wahrnehmung von Werbung, wird ihre Akzeptanz erhöht und sie sogar als angenehm oder wünschenswert empfunden.
Dabei sollten wir aber nicht vergessen, wozu Werbung eigentlich dient.
Einer meiner ersten Kunden bei NetValue war François-Xavier Hussherr, der zu diesem Zeitpunkt eine Doktorarbeit über Effizienz von Werbung schrieb. Zu meiner Überraschung wurde in der Einleitung des Werks Cicero zitiert.
Tatsächlich war dies aber sehr naheliegend: Werbung basiert auf Rhetorik, der Kunst durch Beredsamkeit zu überzeugen.
Wovon zu überzeugen? Davon, ein Produkt zu erwerben, das eines der folgenden Merkmale aufweist und in Reihenfolge der Auflistung immer mehr Überzeugungskraft erfordert:
- interessant
- nützlich
- amüsant
- neu
- wie viele andere Produkte
- zu teuer
- nutzlos.
Wie man sieht, lassen sich je nach Produkt intelligente Hebel ansetzen (z. B. in Bezug auf die Markentreue des Verbrauchers) oder es bleibt nur das Einhämmern der Slogans.
Je besser das Produkt, desto mehr Freiheit genießen Advertiser, mit neuen Werbeformaten zu experimentieren. Man geht weniger Risiken ein, wenn man das Publikum mit einem Panther aus Diamanten zum Träumen bringt als mit einer Packung Waschpulver. Ich sage ja nicht, dass das unmöglich ist, sondern nur, dass es für Waschmittelhersteller schwieriger ist, intelligente Werbemittel anzuwenden.
Ein weiteres Beispiel ist eine Serviceleistung, die man nur sehr selten braucht: der Ersatz der Windschutzscheibe. Der Anbieter muss nur sicherstellen, dass der Kunde, wenn der Bedarfsfall eintritt, in Kontakt mit seiner Werbung kommt und sich an ihn wendet. Da man nur wenig Erfahrung mit Glasbruch hat, kennt man die Konkurrenz schlecht. Derjenige, an den man zuerst denkt, erhält den Zuschlag.
Es ist also nicht immer nötig, innovative, originelle oder besonders eindringliche Kommunikationsstrategien zu wählen.
Werbung bleibt ein stetiges Duell zwischen Anbieter und Verbraucher: Ersterer will Letzteren überzeugen, etwas zu kaufen, was dieser nicht haben möchte. Und die Mechanismen in unserem Hirn haben sich seit Cicero nicht geändert: erkennen, verstehen, fühlen…
Internet macht Innovationen möglich und Werbung manchmal weniger stupide. Aber machen wir uns nichts vor: Das Einhämmern simpler Slogans wird uns auch in Zukunft nicht erspart bleiben.
Media-Planer wissen es: Eines der Hauptprobleme beim Kauf von Werbung ist die Frage derWerbewiederholung (frequency auf Englisch).

Die Sichtbarkeit von Werbungen wird (endlich) auch im Internet thematisiert. Es wird sogar erwägt, einen Standard zu definieren, der es ermöglicht, nur noch die tatsächlich gesehenen Werbungen zu vergüten.

Mit Einführung des der Werbesichtbarkeit Rechnung tragenden „Active GRP“ ist Google auf dem richtigen Weg.
Mit sinkenden Klickraten gewinnen Post-Views zunehmend an Bedeutung. Solange einer Aktion ein Klick vorausgeht, ist es einfach die Vaterschaft zuzuordnen. Im anderen Fall erweist sich dies als wesentlich problematischer.